der Trichter – Raumlehre mit Hintersinn
Erstmals wird der „Nürnberger Trichter“ 1545 in dem Buch „Deutsche Arithmetika von Michael Stifels erwähnt: „Unangesehen, dass ein ungelehrter Mensch nicht danach
fragt, dass er ungelehrt ist – und man wohl sagen darf, er sollte das Maul nicht auftun, so ihm nicht einer die Kunst könnte mit dem Trichter eingießen.“
Auf einem Kupferstich des 17. Jahrhunderts gießen drei Männer einem am Boden liegenden die Weisheit mit dem Trichter ein. Titel: „Seht ihr liebe Leut, hie steht der Mann, so ale Künste eingießen kann.“

der engagierte Künstler

Trichter | Lüpertz

Trichter | Lüpertz

Prof. Markus Lüpertz, dem wir für die freundliche Abdruckgenehmigung seiner Lithographie herzlich danken, gehört zu den international bedeutendsten Künstlern unserer Zeit. Auf den drohenden Abriss des letzten Fröndenberger Trichters aufmerksam geworden, engagierte er sich entschlossen für dessen Erhalt und half so ein wesentliches Denkmal der Arbeits- und Industriegeschichte Fröndenbergs zu erhalten.

die Stadt Fröndenberg und ihr letzter Trichter
Die Lage an der Ruhr begünstigte die Entstehung von Kornmühlen. 1854 kam eine Papiermühle hinzu. 1953 waren in der Fröndenberger Papierindustrie 300 Menschen beschäftigt. 1983 machte die Fa. Himmelmann Konkurs, 140 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Ab 1987 begann der Abriss des Werkes. Der letzte erhaltene Trichter gehört zu den wenigen Zeugnissen der einst im Ruhrtal ansässigen Papierindustrie.

die engagierte Schule
Hier wurde nun die Gesamtschule Fröndenberg aktiv, getreu dem Leitbild, dass Schule und Gesellschaft sich einander öffnen müssen. Es wurden seitens der Schule Vorschläge eingereicht, wie der Trichter als Teil der Stadtlandschaft erhalten werden könne. In der Öffentlichkeit wurde heftig darüber gestritten, ob der verbliebene Trichter verschrottet oder konserviert werden solle. Schließlich gelang es, für den Erhalt des Trichters den politischen Willen und die Finanzierung aufzubringen. Stift, Kettenschmiede und Trichter sind neben einigen wenigen, meist kirchlichen Bauwerken die erhaltenen Denkmäler der lokalen Geschichte.

der neue Trichter in der Gesamtschule Fröndenberg

Trichter | GSF

Trichter | GSF

Für die Schule ist ein Nürnberger Trichter selbstverständlich kein pädagogisches Leitbild. Da der Schule seit ihrer Errichtung aber „die Kunst am Bau“ versagt geblieben war, wurde in der Schule ein ironischer Reflex auf Trichter, Schule und lokale Wirtschaftsgeschichte entwickelt. Das „ kinetische Objekt “, das demnächst mit alternativ gewonnener Energie gespeist wird, symbolisiert mit seiner Kugelbahn den Lauf der Schülerinnen und Schüler durch das Schuljahr. Ein solcher Lauf steht heute nicht mehr im Zeichen Eintrichterns, sondern ist durch die aktive, Anteil nehmende und sich einmischende Auseinandersetzung mit der von den Schülerinnen und Schülern vorgefundenen Welt verbunden.




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